Roland Wuttke: Blindgänger erinnert an Bombenterror
Derartige Bombenfunde sind keine Seltenheit in München. Sie erinnern uns an die insgesamt 70 Bombenangriffe der britischen RAF zwischen 1940 und 1945. Ab 1944 wurden die Angriffe durch US-Bomber verstärkt, die tagsüber aus Italien einflogen. Einer dieser Bombenangriffe fand in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1943 statt. Alarm war um 23:34 Uhr, Entwarnung um 2:44 Uhr. Zentrum der Angriffe waren Schwabing und Milbertshofen.
Abgeworfen wurden 76 Minenbomben je 250 bis 500 kg, 75 Flüssigkeitsbrandbomben je 113 kg, 786 Phosporbrandbomben, 117 Phosporkanister, 70.000 Stabbrandbomben, 123 Leuchtbomben und Flugblätter mit gefälschten Lebensmittelkarten. Unter den 76 Minenbomben waren 25 Blindgänger, von denen jetzt wohl wieder einer in der Hanselmannstraße gefunden wurde.
Allein dieser Terrorangriff auf zivile Ziele forderte 212 Todesopfer und 435 Verletzte. 217 Personen wurden verschüttet, 61 davon konnten noch lebend geborgen werden. 291 Gebäude wurden total zerstört, 660 Gebäude schwer und 1300 Gebäude leicht beschädigt. Fast 9.000 Menschen wurden in den kalten Märztagen des Jahres 1943 obdachlos. Tagelang wüteten Phosphorschwelbrände unter den Trümmern. Hier muß auch wieder an die Leistung der Trümmerfrauen erinnert werden, die eine unglaubliche Leistung erbracht haben.
Beschämend ist dagegen die Haltung der Münchener Stadtregierung und des Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der eine Ehrung der Trümmerfrauen verweigert. Kaltschnäuzig behauptet Ude, daß es über den Einsatz der Frauen bei der Trümmerbeseitigung keine verläßliche Zahlen gäbe und sich darunter auch Parteigenossinnen der NSDAP befänden. Ude: „Unter diesen Umständen wird [...] eine Ehrung von Münchener Trümmerfrauen durch ein Denkmal für nicht angebracht erachtet.“ Zum stillen Denkmal alliierter Kriegsverbrechen ist der Olympiaberg geworden, der aus dem Schutt des im Krieg zerstörten Münchens errichtet wurde.
| Artikel drucken |
Kommentarfunktion deaktiviert.























