„Wir wollen und werden aktiv gegen diese Zustände vorgehen, sie öffentlich machen und dem rechten Lifestyle mit gezielten und offensiven Aktionen entgegentreten.“ So endete der Aufruf eines linksradikalen Bündnisses, das am gestrigen 1. Mai zu zahlreichen Veranstaltungen in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt aufgerufen hatte. Anlass war eine angemeldete und genehmigte Demonstration der NPD unter dem Motto „Arbeit statt Abwanderung“. Zu den Unterstützern des Bündnisses gehören alle Schattierungen des linken Spektrums aus der Region: SPD, Die Linke, SJD, MLPD, Die Grünen, IG Metall, DGB, Verdi und andere diverse antideutsche Gruppierungen und Zusammenschlüsse.

Bereits im frühen Morgengrauen machte man sich auf den Weg nach Erfurt. In angenehmer Atmosphäre konnte man sich noch etwas entspannen und sich auf den anstrengenden Tag vorbereiten.  Bereits bei der Ankunft gab es schon die ersten Konfrontationen mit linksradikalen Blockierern. Als sich unser Reisbus in der Erfurter Innenstadt auf dem Weg zum Veranstaltungsort befand, blockierten ca. 50 Linksradikale die Straße. Nachdem man nun einige Minuten wartete und feststellte, dass die Polizei nicht in der Lage war, die Straße zu räumen, machte man den Ordnungshütern das großzügige Angebot, selbst den Weg freizumachen. Selbstverständlich wurde dieses abgelehnt und die nun verstärkten Beamten lotsten den Bus Richtung Veranstaltungsort. Während dieser amüsanten Situation macht sich im Bus heitere Stimmung breit, da man nun beobachten konnte, wie entsetzte Linksradikale und Gutsmenschen durch die Polizei entfernt wurden.

Am Veranstaltungsort angekommen musste man die üblichen Kontrollen über sich ergehen lassen. Nach wenigen Minuten Wartezeit begann nun die Verlesung der Auflagen und der Begrüßungsworte. Daraufhin zog die Demonstration mit gut 350 Teilnehmern lautstark über die Stauffenbergallee. Doch bereits nach wenigen hundert Metern stoppte der Demonstrationszug, da sich in der Leipzigerstraße, der Bodestraße und der Krämpferstraße Blockaden bildeten.

Als nach 15 Minuten immer noch nichts voranging, machte der Veranstaltungsleiter den Beamten klar, auf welcher Seite sich die friedlichen Demonstranten befinden. Denn bereits im Voraus gab es diverse Ausschreitungen in der Erfurter Innenstadt, bei denen auch Polizisten verletzt wurden. Während der Wartezeit konnte man mit zahlreichen Journalisten und Linksradikalen das Gespräch suchen. Überraschend wurde deutlich, dass die Teilnehmer der linken Blockaden merkwürdig uninformiert waren. Auf die Frage, ob denn die Gegendemonstranten logischerweise für weitere Massenzuwanderung und weniger Arbeitsplätze auf die Straße gingen, heißt es verlegen: „Das ist eigentlich nicht unser Thema“. Nach den ersten Redebeiträgen von Frank Schwerdt, NPD-Landesvorsitzender in Thüringen und Stadtrat in Erfurt, sowie des stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD, Patrick Wieschke, stellte man der Polizei ein erstes Ultimatum. Man stellte klar, dass es nicht möglich ist, dass über 500 Beamte mit Wasserwerfern und Räumpanzern es nicht schafft, knapp 300 Blockierer zu entfernen. Doch als nun auch noch die Wasserwerfer in Richtung der nationalen Demonstration aufgestellt wurden, machte sich langsam Wut breit. Immer mehr Menschen bewegten sich nun an die Demonstrationsspitze, um die Beamten aufzufordern, die Straße freizumachen. Währenddessen wurde den Beamten über den Lautsprecherwagen ein letztes Ultimatum gestellt. Als weitere 15 Minuten vergingen, eskalierte die Situation mehr und mehr. Die vorderen Reihen versuchten geschlossen die Polizeikette zu durchbrechen, doch durch massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken musste man wiederum zurückweichen. Nun wurde klar, dass vermutlich bereits im Voraus von den Behören beschlossen wurde, dass die Demonstration der NPD durch illegale Blockaden und unter Mithilfe der Polizei verhindert werden soll. Zwar wurde mit den Polizeioberkommissaren noch über eine Alternativ-Route verhandelt, diese brachten jedoch keine Ergebnisse. So wurde die Veranstaltung nach langer Wartezeit beendet. Man machte sich nun wieder auf den Weg zum Bahnhof. Hier entlud sich nun die ganze Wut in einer lautstarken spontanen Demonstration. An einer Kreuzung in der Nähe des Bahnhofes entschied man sich dann, eine Sitzblockade zu bilden. Knapp 250 Menschen nahmen daran teil und eine eindrucksvolle Art von Protest wurde deutlich. Nach 20 Minuten beendete man dann die Blockade und begab sich wieder zum Bus.

Auf der Rückfahrt wurde trotz des eher mangelnden Erfolgs ausreichend gefeiert und über den Tag diskutiert. Am späten Abend erreichte man dann wieder München und ein anstrengender Tag ging zu Ende.